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KRETA, mein TraumWie immer komme ich von Norden herund überfliege silbern flirrendes Meer. Mit wachsender Anspannung richte ich meinen Blick nach unten – endlich habe ich es gefunden: Mein Kreta – gottgegebenes braun-grünes Eiland, kostbarer als jeder Diamant! Karge Berge türmen sich auf, oft ohne Wasser der Flüsse und Bäche Lauf. Felsen über Felsen, rötliche Erde und Kakteen sind sichtbar nur für die, die nicht sehn. Das Raue, Männliche vereinigt sich in Dir mit dem Weiblichen, dem spiegelgleichen Licht. Dieser Kontrast zieht mich immer wieder zu Dir. Ist diese Harmonie Dein wahres Angesicht? Kreta – Du bist eine spröde Schöne! Was hast Du aus mir gemacht, dass ich mich so sehr nach Dir sehne? Worin liegt Deine unwiderstehliche Macht? Ist es der Zauber vergangener Kulturen, von denen Du wie Perlen trägst noch deutliche Spuren? Alle Sinne weckst Du: Hier ragt eine zerborstene Säule, dort ein Mauerrest empor; mit Kräutern und Blumen deckst Du sie allmählich zu. Es ist, als ob alles für die Ewigkeit einfror in den Tausenden von Jahren, in denen Minoer, Besatzer und Kreter große Mythen und Kunst gebaren. Letztlich ist Vergänglichkeit auch Dein Geschick; doch Du bringst mir Erinnerungen und Träume zurück. In Dir finde ich Ursprünge und Ziele meines Lebens, nach denen ich strebe – manchmal vergebens. Du entziehst Dich dem, der sich nur lässt treiben, die Strände bevölkert, täglich das Nachtleben sucht. Er könnte auch zuhause bleiben; Er hat wohl ein falsches Ziel gebucht. Χερετε, ein letzter Gruß, ich komme sicher zurück, denn nur in Dir liegt mein irdisches inneres Glück. Den betörenden Duft der Kräuter, eine Handvoll Steine vom Strand nehme ich mit mir –, und schon bald zieht es mich wieder – mein Kreta – zu Dir. AutorGabriele von Horn |
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